Geschichte

Gorsleben, in der Nähe der von den Sachsenburgen beherrschten Thüringer Pforte gelegen, ist durch seine Geschichte und Baudenkmäler, Wappen und Wahrzeichen eines der bemerkenswertesten thüringischen Dörfer. Im Jahre 772 wurde in einer Urkunde des Klosters Fulda zum ersten Mal das Dorf Geurichsleiba genannt. Mehrere Abwandlungen im Laufe der Jahrhunderte führten u. a. Liber Gotchesleba, Gorisleuben, Gorichsleben, Gorisleben und Gorsehleben zum heutigen Namen des Ortes. Nach der Sage von Georg und Artra (Georg — Graf von Beichlingen und Artra-Tochter eines Kuhhirten aus Heldrungen) ist die Gründung und Namensgebung Gorsleben jedoch anders überliefert, nämlich abstammend von Georgs-Laube, die am Artra-Brunnen stand. Der Artra-Brunnen existiert noch und spendet auch heute noch sein kühles Nass. In der Nähe des Artra-Brunnens befindet sich das sogenannte Altendorf, wo nachweisbar Häuser standen. Doch anscheinend wollten die Menschen der damaligen Zeit näher an das Wasser. Ältere Bewohner der Gemeinde können sich noch an die Ruinen der Kirche St. Johannis in der Nähe der Pferderiedsbrücke erinnern. Mehrmals jährlich umspülten die Hochwasser der Lossa die letzten Steine des Mauerwerks, bis die Meliorationsarbeiten an der Lossa und Unstrut dem Einhalt geboten.

Auch die jetzige Bonifatiuskirche wurde in Unstrutnähe, jedoch auf einem höheren Standort, errichtet. An ein damals bereits bestehen- des Kloster angebaut, ist sie mit ihren ca. 600 Jahren das wohl älteste Gebäude des Ortes. Viele Landesherren, wie Anhaltiner, Hohnsteiner, Beichlinger, Wettiner, Preußen hatten im Dorf an der Unstrut und Lossa das Sagen im Laufe der Jahrhunderte. Und jede Epoche drückte dem Dorf seinen Stempel auf. Eine Vielzahl von Rittergütern, in der Regel fünf bis sechs, über viele Jahrhunderte bestehend, gingen in die Dorfgeschichte ein. Der Schieferhof, der Rote Hof, der Blaue Hof, der Klosterhof - Höfe, die zwischen 1620 und 1756 entstanden ~ sind allen Bürgern der Gemeinde und Umgebung gut bekannt. Leider auch als Gebäude, an denen der Zahn der Zeit beständig nagt. Wer heute aufmerksam durch den Ort geht, der begegnet einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, die die Jahrhunderte überdauerten. Schriften über den Haustüren, Jahreszahlen an den Gebäuden, Sonnenuhren, ganz besonders soll hier der Sensentod als Sonnenuhr erwähnt werden, in Stein gehauene Wappen und wertvolle Fachwerk-häuser, die liebevoll von den Eigentümern gepflegt werden, erinnern an längst vergangene Zeiten. Allein die Denkmalliste des Ortes enthält ein Denkmal-Ensemble bestehend aus Dorfkirche, Schieferhof, Klosterhof und einem Teil der unteren Dorfstraße und 15 Gebäude, die überwiegend im Unterdorf zu finden sind. Doch auch auf Gorslebener Persönlichkeiten kann die Gemeinde stolz sein. So auf Sethus Calvisius, geboren am 21. Februar 1556 in Gorsleben, später Kantor der Thomaskirche in Leipzig, Pfarrer Christian Webel, in dessen Zeit von 1693 bis 1721 in Gorsleben viele Haustürinschriften und der Sensentod fallen und Carl Wilhelm Kirchheim, der 1825 die Chronik des Dorfes Gorsleben schrieb, die der Nachwelt heute einen historischen Einblick über das Leben der Vorfahren in vielen Jahrhunderten gibt. Aus den Aufzeichnungen Kirchheims geht auch hervor, dass die Bewohner am Südhang der Schmücke viel Not und Elend ertragen mussten. Besonders schwer hatten die Einwohner in der Zeit des 30- jährigen Krieges von 1618 bis 1648 unter Plünderungen und Brandschatzungen durchziehender Truppen zu leiden. Beim Brand am 5. Mai 1627 wurden 89 Gehöfte zerstört. Nur dreizehn blieben übrig. Lebten vor dem 30-jährigen Krieg etwa 700 Einwohner im Ort, so waren es am Ende weniger als die Hälfte. Auch von der Pest, Hungersnöten, Tierseuchen und gewaltigen Überschwemmungen wurde der Ort nicht verschont.

Der 1. und 2. Weltkrieg hinterließen allein im vorigen Jahrhundert große Wunden in den Familien. Die Toten und Vermissten Männer des 1. Weltkrieges werden mit 32 und des 2. Weltkrieges mit 79* für den Ort angegeben. Viele der heutigen Einwohner Gorslebens kamen erst mit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 in die Gemeinde. Eine große Zahl davon blieb für immer. So stieg die Zahl der Einwohner zeitweise nach 1945 auf weit über 1000 an. Im Jahre 2001 hatte die Gemeinde 709 Einwohner. Die Tendenz war bisher steigend. Der Geburtenschwund und die Sterbe- Fälle wurden durch den Zuzug übertroffen. . Was dem Gemeinderat aber Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass immer mehr Dienstleistungs- und kommunale Einrichtungen geschlossen worden sind. Nachdem das Vereinsleben nach der Wende 1989/90 zum Erliegen kam, existierten Ende 2001 wieder mehrere Vereine, die das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde mit bestimmen.

*(Angehörige von Umsiedler Familien eingeschlossen)