Der Artrabrunnen sprudelt wieder

Seit Jahrhunderten ist der Artrabrunnen mit den Einwohnern des Ortes verbunden. Leider ließ das Umfeld seit Jahrzehnten zu wünschen übrig, und so trafen sich dort mehr Füchse und Hasen als Bürger. Eine zerfallene Quelle, Erdreich, das die Quelle verschüttete, kaum eine Abflussrinne für das Wasser, das einmal mehr und einmal weniger floss. Quelle und Ablauf siechten vor sich hin. Im Herbst deckten die Blätter der Kastanienbäume fast alles zu. Die verschüttete Quelle im Herbst 1997Abhilfe tat Not. Ab April 1998 wurden über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) der Artrabrunnen und das Umfeld saniert, so dass der Brunnen für nachfolgende Generationen erhalten bleibt. Das Baumaterial fanden die ABM-Kräfte in der Umgebung. Feldsteine, die von den Äckern gelesen und am Rande der Wege abgelegt worden waren.

Nachdem die Quelle saniert war, floss das Wasser mit einer Ergiebigkeit von drei Litern/Minute langsam in einer neuen Rinne ab. Hauptaugenmerk galt auch dem Umfeld. Der müde Wanderer sollte neben einer kühlen Erfrischung auch einen gepflegten Rastplatz finden, der im Jahre 2001 durch eine weitere ABM eine Erweiterung fand. 

Doch warum wurde eine Quelle saniert, die etwa 1,5 Kilometer vom Ort entfernt auf halber Höhe der Schmücke liegt? Die Verbindung zwischen dem Ort Gorsleben und dem Artrabrunnen basiert auf der Sage von Georg und Artra. So jagten - laut Sage - in den dichten Waldungen, die von Beichlingen sich bis nach Sachsenburg zogen, oft die gewaltigen Grafen von Beichlingen. Einer derselben, Georg, der jüngste der Söhne, liebte vor allem die Vogelbeize. Er hatte einen Habicht, zahm und gehorsam, einen vortrefflichen Fänger. Eines Tages hatte sich der Habicht verflogen und kehrte nicht zu dem wartenden Georg zurück. Georg durchsuchte ängstlich in Sorge um seinen geliebten Vogel die Gegend, in deren Richtung der Habicht seinen Flug genommen hatte. An einer springenden Quelle am Bergabhang gewahrte er ein Mädchen, dass seinen Vogel streichelnd auf ihren Schoße hielt. Es entspann sich deshalb ein Gespräch zwischen dem Grafen und dem Mädchen. Das Mädchen "von schön geregeltem Gliederbau und lieblichem Angesicht" erzählte dem Ritter, wie das Tier am Flügel blutend hier im Gebüsch zitternd gesessen hätte. Sie hatte während des Wurzelsuchens das Tier gefunden und mit Quellwasser die Wunde gereinigt. Graf Georg dankte der schönen Pflegerin und wunderte sich, wie der Vogel zu der Wunde gekommen sei. Prüfend stellte er fest, dass ein Pfeil durch das Flügelgelenk geschossen worden war. Doch sein Zorn auf den Schützen milderte sich in der Nähe der lieblichen Erscheinung, die zwar ärmlich aber schmuck gekleidet war. Graf Georg fand Gefallen an den Reden und dem Benehmen des Mädchens, und er hatte das Gefühl, dass ihn das Missgeschick des Habichts zu seinem Glück geführt hatte. Er fragte die bezaubernde Pflegerin seines Habichts nach dem Namen und woher sie käme. In ihrer unbekümmerten Art erzählte sie, während sie dem Habicht Wurzelsaft in die Wunde träufelte, dass sie Artra, die Tochter des Kuhhirten Tobald aus Heltron (Heldrungen) sei und hier Wurzeln und Kräuter suche. Je länger Graf Georg in Artras blaue Augen schaute, je schwerer wurde ihm die Trennung von ihr. Sie musste ihm versprechen, diese Quelle öfter zu besuchen.

Er wollte nun in jeder Woche drei Tage an diesen Ort kommen. Zugleich bat er sie, seinen Habicht mitzunehmen und wieder gesund zu pflegen. Er gab ihr ein Silberstück. Und als sie sich weigerte, es anzunehmen, schwang er sich auf sein Pferd und ritt davon. Mit Ungeduld wartete Georg auf den bestimmten Tag, wo er Artra an der Quelle wieder finden würde, ohne Rücksicht auf die große Scheidewand zu nehmen, die zwischen Artras niedriger Hütte und seiner Grafenburg stand. Lange vor dem vereinbarten Termin wartete Georg bereits am Brunnen, als Artra lächelnd mit dem Habicht aus dem Gebüsch trat und ihn mit den Worten begrüßte: "Ihr habt mich Herr Ritter letzthin recht erschreckt mit dem schönen Silberstück, aber Dank sei Eurer Großmut - ich konnte meinen kranken Vater Hilfe dadurch verschaffen und noch blieb genug übrig, um Euren Habicht Fleisch anzukaufen - wie Ihr seht, schleppt er auch den Fittich nicht allzu sehr". Georg dankte Artra für ihre Sorgfalt. Dabei erfasste er die Hand des Mädchens und "immer tiefere Wurzeln schlug die Liebe in seiner Brust". Nur die Hoffnung auf das nächste Wiedersehen erleichterte ihm die Trennung.